What is your Gender ?
Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit
 
 
 
In  Kooperation  mit  den 19. Lesbisch-Schwulen-Filmtagen, die vom 21. bis  26.  Oktober in Hamburg stattfinden, veranstaltet das Kinoprojekt DIEnstagsDOKU  im  September  eine Reihe mit Dokumentarfilmen, die die Grenzen  der  angeblich  natürlichen Unterteilung der Welt in Mann und
Frau  aufzeigen  und  für  eine  Überwindung  der  Illusion  von einer zweigeschlechtlichen  Ordnung plädieren. Im Anschluss können die Filme mit den jeweiligen FilmemacherInnen diskutiert werden.
 
Herr/Frau  (Unzutreffendes  bitte  durchstreichen) - Die Benennung des eigenen  Geschlechts, ein alltäglicher, unkomplizierter Akt. Was aber, wenn die Realität nicht so eindeutig wäre, wie sie auf dem Papier des Einwohnermeldeamts  scheint?  Die  zweigeschlechtliche Ordnung unserer
Welt  zwingt  jeden  Menschen in eine Rolle, entweder in eine feminine oder  eine  maskuline,  die  aufgrund  körperlicher Merkmale angeblich eindeutig  feststeht.  
 
Wie  sieht  es  aber  mit  Menschen  aus, deren körperliche  und genetische Eigenschaften ganz und gar nicht eindeutig einem  der  beiden  Geschlechter  zuzuordnen  sind? Dieser  Frage  gehen Oliver Tomein und Bertram Rotermund in ihrem Film "Das  verordnete  Geschlecht"  nach.  Sie schildern die Schicksale und Lebenswelten  intersexueller  Menschen  und  zeigen  die  gewalttätige Hilflosigkeit  von  ÄrztInnen,  die  die  Uneindeutigkeit  chirurgisch zurecht  zu rücken wollen - und wie sie damit scheitern. So fühlt sich Elisabeth   Müller,  eine  der  ProtagonistInnen  in  "Das  verordnete
Geschlecht",  trotz  eines  Eingriffes, bei dem ihr im Kindesalter die Hoden  entfernt  wurden,  heute  nicht  uneingeschränkt als Frau, ihre Intersexualität  ließ sich nicht so einfach "wegoperieren". In Tomeins und  Rotermunds Film wird deutlich, wie unzureichend das binäre System Mann/Frau  die  geschlechtlichen  Realitäten beschreibt - und wie eine Gesellschaft,  die  diese  binäre  Ordnung  verinnerlicht  hat, danach strebt, jegliche Uneindeutigkeiten zu beseitigen.
 
Ebenfalls  jenseits  klassischer  Geschlechtergrenzen bewegen sich die ProtagonistInnen   in   Monika  Treuts  preisgekröntem  Dokumentarfilm "Gendernauts  -  Eine  Reise ins Land der neuen Geschlechter". Am Ende des  20.  Jahrhunderts  trifft sie in San Francisco auf Angehörige der dortigen   inter-   und   transsexuellen   Szene,   die   -   auf  den unterschiedlichsten  Wegen  -  die  bestehenden Geschlechtergrenzen zu Gunsten    eines    autonomen   Lebens   auf   der   Grundlage   einer
selbstbestimmten   geschlechtlichen   Identität  überschreiten.  Texas Tomboy,  Stafford,  Max  Wolf  Valerio  und  viele andere Gendernauten lassen   so  ein  wahrhaftiges  Gender-Utopia  enstehen,  in  dem  die Zweigeschlechtlichkeit    durch    eine    unbeschränkte    Bandbreite
geschlechtlicher  Identitäten  abgelöst  wird. Oder mit den Worten der "Göttin  des Cyberspace", Sandy Stone: "Gender nimmt jede vorstellbare Form an. Wir glauben, es gibt nur zwei: maskulin und feminin, weil wir gelernt  haben,  die  anderen unsichtbar zu machen. Wir müssen lernen,
sie zu sehen, wir müssen die Wahrnehmung wiederentdecken."
 
 
 
Termine:
 
9.9.2008 / 20.00  Uhr: "Das  verordnete  Geschlecht"
von Oliver Tomein und Bertram
Rotermund,  Deutschland, 2001, 62 min. Bertram Rotermund und Elisabeth
Müller werden anwesend sein.
 
30.9.2008 / 20.00  Uhr:  "Gendernauts  - Eine Reise ins Land der neuen Geschlechter"
von  Monika  Treut.  Deutschland,  1999,  86  min.  Monika  Treut wird
anwesend sein.
 
 
 
 
 
 
 
 
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